Frauen netzwerken anders

… das hört man ja immer wieder und es gibt auch bereits zig Artikel dazu – allerdings beleuchten diese Artikel meist das Thema Karriere im herkömmlichen Sinn – also Netzwerken für die Karriere im Angestelltenverhältnis.

Heute möchte ich euch aber die Seite des Netzwerkens im Unternehmertum und auch die Wichtigkeit dazu vorstellen, und warum Frauen das nach wie vor zu wenig oder eben anders machen.

Frauen werden in vielen Artikeln und Studien folgende Eigenschaften zugeschrieben:

Sie haben bessere Kommunikationsfähigkeiten,

sie besitzen besseres wirtschaftliches Verständnis und Denken und

sie sind einfach besser im Aufbau von tragfähigen Beziehungen.

In einer Studie von Komplexitätsforscher Stefan Thurner (MedUni Wien) und seinem Kollegen Michael Szell konnten über das Spiel „Pardus“ sogar erforscht werden, dass Frauen ihre Netzwerke dichter (durch mehr Kommunikation) spannen und ihnen wichtig ist, dass die Leute aus ihrem Netzwerk ebenfalls untereinander reden (derStandard, 07.02.13)
Liest man das, dann fragt man sich, warum sind Frauen dann nicht echte Netzwerk-Profis?

Also, warum ist es nach wie vor Usus, dass Frauen beruflich keine guten Netzwerke führen? Liegt es an ihrem Werteverständnis? Liegt es an der traditionellen Rolle der Frau? Fakt ist: Frauen nutzen ihre Fähigkeiten wirklich genial im privaten Kontext und das ist gleichzeitig ihr größter Fehler – die Fähigkeiten werden oft NUR privat perfekt genutzt – allerdings nutzen sie ihre Fähigkeiten leider noch nicht ausreichend beruflich!

In meiner Recherche für diesen Beitrag habe ich einige Gründe dafür gefunden:

  • Frauen wollen alles alleine schaffen – also keine oder nur wenig Hilfe annehmen.
  • Sie verlassen sich ungern auf Kontakte, sondern lieber auf ihre Fähigkeiten und Qualifikationen
    à la „sie werden es eh schon bemerken, dass ich das alles kann und die richtige für den Job bin – ich muss mich nur ausreichend anstrengen…“)
  • Frauen stellen ihr Licht unter den Scheffel – ja machen sich sogar klein! Es macht sogar manchmal den Eindruck als würden sie sich für ihr eigenes Angebot schämen!
  • Frauen halten mit ihrem Angebot & Können hinter dem Berg, weil sie gleich an aggressiven Kundenfang denken und hundertmal überlegen und abwägen und wieder überlegen ob das alles richtig ist.
  • Frauen reden meist weniger über berufliche Erfolge, sie konzentrieren sich oft auf Privates (vor allem dann, wenn Familie vorhanden ist).

Ein Artikel in der Welt.de (26.12.2017) schreibt so nett: „Männer wollen nichts Böses. Keiner verabredet sich gegen Frauen und doch stehen Frauen am Ende in der zweiten Reihe. Männer ‚netzwerken‘ anders und besser als Frauen.“ Was machen Männer also anders?

  • Männer netzwerken immer und überall – ob am Fußballplatz, im Flugzeug, beim Stammtisch oder im beruflichen Umfeld.
  • Männer verstehen es besser sich Vorteile durch Kontakte zu verschaffen und diese auch zu nutzen.
  • Sie verlassen sich viel mehr auf ihre Beziehungen und Kontakte und haben keine Scham, ihre Kumpels anzurufen und Gefallen einzufordern – finden aber auch nichts dabei, wenn sie um Gefallen gebeten werden.
  • Männer posaunen gerne ihr Angebot & ihr Können hinaus, oder erzählen auch gerne, was „ihr Kumpel“ so alles kann. Sie verbreiten also ihre Erfolge und prahlen fast – ohne Erwartungen – aber es wird darüber gesprochen und so weiß zumindest jeder im Raum, was der jeweils andere gerade macht, woran er gerade dran ist, was er in Zukunft vorhat. Mit diesem Wissen können die Zuhörer etwas anfangen und im Idealfall darauf zurückkommen.

In dieser Hinsicht können wir Frauen also noch viel von Männern lernen: Denke mal an eine typische Stammtischsituation bei Männern – sie reden über Gott und die Welt – das geht von: wann sie wen getroffen haben, wer gerade was beruflich durchmacht – an welchen Projekten er sitzt und welche Erfolge er gerade feiert. Dann möchte ich die Frage stellen: was würde an einem Frauenstammtisch diskutiert werden? Ich behaupte jetzt mal: eher Privates, nämlich wie es der Familie geht, welches Kind gerade welche Phase durchmacht, welche Freundin gerade welchen Liebeskummer hat etc. Wir sehen deutlich den Unterschied!
Wenn du Lust hast mehr darüber zu lesen, dann empfehle ich Dr. Ingeborg Rauchbergers Buch mit dem charmanten Titel: „Schrei Kikeriki, wenn du ein Ei legst“!

Was bedeutet das also für Unternehmerinnen, wenn Frauen tendenziell beruflich nicht besonders gut Netzwerken? Zeit online schreibt in ihrem Artikel vom 06.03.2017, dass „gerade für Selbstständige Kontakte und Netzwerke geradezu überlebenswichtig sind“. Die Welt.de schreibt am 26.12.17 dazu: „Fakt ist, die besten Jobs und Aufträge erhält man nur auf Empfehlung oder weil man sich kennt.“

Damit ist es ganz klar: wenn du als Unternehmerin Erfolg haben willst, dann ist es wichtig, dass du ein gutes Netzwerk hast. Denn es geht um die Vergabe von Aufträgen, Partner die ausgewählt werden etc. All das basiert auf einem gewissen Vertrauensvorschuss, den man absolut genießen kann, wenn man die richtigen Kontakte hat. Die Leute „kennen“ ist aber nicht das einzige was zählt, denn all diese Kontakte müssen auch wissen, was genau du als Unternehmerin tust. Es ist also wichtig, dein Angebot keinesfalls unter den Scheffel zu stellen, du darfst überzeugt sein, von dem was du kannst! Mache dich sichtbar – höre bei Netzwerktreffen nicht nur zu, rede aktiv mit, erzähle von dir, entdecke Gemeinsamkeiten, schaffe Vertrauen und sei hilfsbereit.

Aus meiner Erfahrung als Gründerin der Business Moms Austria kann ich sagen: mit dem richtigen Netzwerk an der Hand können so viele tolle Projekte, Kooperationen und Ideen entstehen – das bekomme ich in meinem Netzwerk auch immer wieder als Feedback. Ein Mitglied hat mir erst kürzlich davon berichtet, dass durch das Netzwerk der Business Moms Austria eine Wunschpartnerschaft, von der sie nie zu träumen wagte, entstanden ist.

Meine 3 Top-Tipps fürs Netzwerken für dich:

1. Netzwerken – Netzwerken – Netzwerken
Es nicht zu tun ist der größte Fehler! Dabei ist es wichtig branchenübergreifend und geschlechtsübergreifend zu agieren – es entwickeln sich so tolle und unglaublich schöne Geschäftsbeziehungen daraus!

2. Lass dich einfach inspirieren – es gibt so viele tolle, erfahrene und inspirierende Personen von denen man lernen kann!

3. Beim Netzwerken steht immer das GEBEN im Vordergrund, nicht allein das NEHMEN!
Sei deinem Netzwerk gegenüber hilfsbereit, und vertraue darauf: es kommt in jedem Fall irgendwann etwas zurück! Mache aber mal den Anfang und erzähle den Leuten von dir, stelle dein Licht nicht unter den Scheffel! Fang am besten in deinem Freundeskreis an, erzähle ihnen von deiner Selbstständigkeit, deinen Projekten und allem was dich beruflich beschäftigt.

Viel Spass beim Ausprobieren!

 

Über die Autorin: Lisi Molzbichler; Gründerin von Business Moms Austria

 

 

 

Zum Abschluss hätte ich noch ein paar wesentliche Aussagen aus dem Buch von Dr. Ingeborg Rauchberger: Schrei Kikeriki, wenn du ein Ei legst: https://www.amazon.de/Schrei-Kikeriki-wenn-ein-legst/dp/3864706408/ref=sr_1_3?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=C933E9NNX7G6&dchild=1&keywords=rauchberger+ingeborg&qid=1605544842&sprefix=rauchberger%2Caps%2C538&sr=8-3

  • „Wenn man bedenkt, wie gut eine berufstätige Frau mit Kindern vernetzt sein muss, wenn sie alles unter einen Hut bringen will, dann weiß man, dass dieses Vorurteil gar nicht stimmen kann!“
  • Lt I. Rauchberger sind die Hauptunterschiede von Frauen & Männernetzwerken: das Vorhandensein von Skrupeln und das ständige Hinterfragen der Sinnhaftigkeit: „Ein Mann hinterfragt nicht jedes Jahr aufs Neue seine Entscheidung, dass er dem Club beigetreten ist – er steht dazu! Frauen sind nutzenorientierter und hinterfragen ihre eigene Entscheidung ständig aufs Neue“
  • „Ein Klub richtig eingesetzt ist kein Luxus. Es ist ein höchstsinnvolles Miteinander, das nicht nur das Berufsleben, sondern auch das eigene Fortkommen und die eigene Persönlichkeitsbildung in vielerlei Hinsicht bereichern kann!“

Fotocredit:
©Mag.Barbara.Lachner
Quelleangabe:
https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article171855872/Karriere-Warum-Netzwerken-fuer-Frauen-so-schwierig-ist.html
https://www.zeit.de/karriere/beruf/2017-02/netzwerken-karriere-vorteil-frauen
https://www.derstandard.at/story/1360161083469/frauen-netzwerken-anders-als-maenner

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